Zahnarzt & Soziales

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35 Jahre Zahnärztin

Berufsjubiläum!

 

Ich wurde gefragt, ob ich in all diesen Jahren immer gearbeitet hätte.

Ja. Ich habe nun tatsächlich schon mehr als 35 Jahre als Zahnärztin und ganz überwiegend kieferorthopädisch gearbeitet. Für die Geburten meiner drei Kinder nahm ich mir als selbstständig Tätige nur 4 Wochen vor und nach dem Geburtstermin Zeit. Meine Kieferorthopädie-Patienten bekamen während dieser Phase einen Kontrolltermin bei einem Vertreter. Einen Mutterschutz gibt es für niedergelasseneZahnärztinnen ja nicht.

… ob ich nach der Stillgeburt eines meiner Kinder eine besondere Auszeit genommen hätte.

Nein. Ich arbeitete normal weiter. Gleichwohl habe ich mich mit der Trauer lange auseinander gesetzt. Das ist notwendig. Für mich kam ich zu dem Entschluss, einen Verein zu fördern, die sich für die Belange der früh verwaisten Eltern und Geschwister einsetzt sowie das Bestattungsrecht ab 500g. Es hat sich für Betroffene in den letzten 20 Jahren in Deutschland viel zum Besseren gewendet. Außerdem unterstütze ich bis heute die Trauergottesdienstefür die hier in Darmstadt verstorbenen Kinder.  

… was ich anderen Zahnärztinnen rate.

Sich immer weiter fortbilden, state-of-the-art bleiben und insbesondere interdisziplinär denken und arbeiten. Viele Institute setzen ihren Schwerpunkt auf Referenten. Warum eigentlich? Es gab und gibt hervorragende Seminare von Referentinnen (man denke an Dr. Menzel, Dr. Schiffler-Bayerthal, Prof. Dr. Rudzki u.a.m.). Unsere Profession hat in puncto Gleichberechtigung und Wahrnehmung der starken Kompetenz der Spezialistinnen noch aufzuholen. Da hat sich zu wenig verbessert – in den letzten 35 Jahren.  

… anderes Beispiel?

Die Rente. Dafür, dass ich Kinder geboren und erzogen habe, die hier in Deutschland mit 60-Stunden-Wochen Top-Leistung erbringen, werde ich von der DRV später rund 100€ monatliche Rente erhalten. Diese Leistung also, zu arbeiten, hohe Sozialbeiträge zu zahlen und gleichzeitig auch als Mutter präsent zu sein, wird hierin nicht abgebildet. Die Zahnärzteversorgung kennt keine Leistung für Mütter. Warum eigentlich nicht? Kürzlich las ich von einem Vertreter der Zahnärzteversorgung, Zahnärztinnen könnten ja an die DRV freiwillige Beiträge zahlen, um der finanziellen Einbuße in der Rente entgegen zu wirken. Diese Rechnung geht leider nicht auf. Es ist schon bizarr, wenn sich Wertschätzung daran orientiert, keine Kinder bekommen und erzogen zu haben.

Brigitte Rohdich